Buzzword Bingo: New Work

Bitte nicht noch ein Artikel über New Work!

Denkst du das auch? Dann herzlich Willkommen zu meinem Buzzword Bingo. 🙂

Ich komme eigentlich kaum mehr an Artikeln mit HR-Bezug vorbei, eigentlich auch ohne HR-Bezug wenn ich so darüber nachdenke, ohne das mir der Begriff New Work über den Weg läuft. Interessant finde ich, dass es jetzt so präsent ist, wo doch seit Jahrzehnten darüber diskutiert wird, wie Arbeit gestaltet werden sollte. Und bitte: die Digitalisierung ist bestimmt nicht der Auslöser. Ich danke den geburtenschwachen Jahrgängen dafür, dass sie geburtenschwach waren, denn endlich endlich gibt es einen Need um als Unternehmen umzudenken und sich auf den Mitarbeiter der Zukunft einzustellen. Was vor allem Psychologen und Pädagogen seit jeher predigen, bekommt jetzt mehr Bedeutung.

New Work versteckte sich bis vor Kurzen und teilweise immer noch unter „Mitarbeiterzufriedenheit“, „Mitarbeiterbindung“, „Employee Branding“ … you name it. Klingt ja auch etwas weltoffener. Im Kern ist aber alles ganz ähnlich.

Versteh mich nicht falsch. Ich bin absolut für neue, moderne Arbeitsformen und Arbeitsplätze. Dahinter steckt aber eine Grundhaltung und ein auf bestimmte Weise geprägtes Menschenbild. Und das ist der Kern von New Work. Aber der Reihe nach.

Was ist jetzt dieses New Work? Und was nicht?

Ich stelle fest, dass die Meisten mit New Work verbinden, Arbeitnehmern (und das sind Führungskräfte und „normale“ Angestellte gleichermaßen) das Leben so paradiesisch wie möglich zu gestalten: von der Möglichkeit erst um 12 Uhr in’s Büro zu kommen über per Home Office (für alle Beamten: Tele-Arbeit :-P) zu arbeiten bis hin zu Freizeit ohne Ende. In weiten Teilen wird das auch mit „Agilität“ gleichgesetzt. Aber das ist einen eigenen Post wert. 😀

Es mag Unternehmen geben wo das so ist. Das ist schön für die. Aber ich bezweifle, dass Arbeitnehmer wirklich ernsthaft Halligalli und auf Kosten des Unternehmens einen faulen Lenz machen wollen.

Menschen wollen sinnstiftend arbeiten und das innerhalb eines eigenen Handlungsspielraums. Das setzt widerum einen Rahmen voraus:

  • Handlungsfreiheit – also z.B. die eigene Arbeitszeit bestimmen (ist auch in Schichtbetrieben möglich), Leistungs- und Lernziele selber festlegen
  • Demokratische Führung – dafür braucht es gefestigte Führungskräfte (und das ist altersunabhängig) mit Coaching-Kompetenz, die Vertrauen in ihre Mitarbeiter haben
  • Flexibilität – und damit auch die Beantwortung der Frage: wie können wir trotz bestimmter Vorgaben (gesetzlich, medizinisch, etc.) flexibel bleiben?
  • Arbeitsorganisation – bedeutet ein bestimmtes Repertoire an Methodenwissen zu haben um sich selbst, innerhalb des Teams aber auch im Unternehmen zu organieren. Stichwort Agilität.
  • Arbeitsumgebung – und zwar ganz pragmatisch gedacht: welche Abläufe gibt’s bei uns und wie lassen sich diese in Arbeitswelten umsetzen? Nicht immer ist ein Großraumbüro sinnvoll nur weil es gerade hip ist

Bevor jetzt wieder einige schreien und sagen, dass das bei ihnen in der Branche XY aber nicht geht und bei dem Unternehmen sowieso nicht: okay. Es mag sein, dass es jetzt nicht möglich ist, nicht in dem Umfang und auch nicht in den Formen/Ausprägungen wie es irgendwelche Start-Ups oder Konzerne tun. Aber es ist möglich, sich damit auseinanderzusetzen und sich zu überlegen:

  • Was tun Andere und unter welchen Bedingungen funktioniert es woanders?
  • Was können wir von Anderen lernen und ggf. angepasst für uns aufgreifen?
  • Welche Rahmenbedingungen & Herausforderungen müssen wir bei uns beachten?
  • Wie können wir diese angehen?
  • Was müssen wir dafür tun?

Das passiert nicht im stillen Kämmerlein sondern in Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen. Auch das ist New Work.

Meine Quintessenz aus dieser ganzen New Work-Bewegung: wie immer ist es eine Frage dessen, was daraus gemacht wird. Statt blindlings auf irgendwelche Züge aufzuspringen, lohnt es sich einen Schritt nach hinten zu treten, durchzuatmen und sich darauf zu besinnen, wofür man eigentlich steht.